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Natur & Umwelt & Neue Energie » Niemand braucht neue Kohlekraftwerke
03Sep

Niemand braucht neue Kohlekraftwerke

Während konservative und liberale Politiker Wahlkampf für längere AKW-Laufzeiten und neue Kohlekraftwerke machen, hat das Institut EUtech im Auftrag von Greenpeace nachgerechnet. Die am Donnerstag vorgestellte Studie belegt: Das Gerede von der Übergangstechnologie Atom- oder Kohlekraft, letzteres auch von der Linkspartei im Saarland vorgebracht, entbehrt jeder Grundlage. Die Umstellung der Stromlieferung auf die klimafreundlichen und Versorgungssicherheit garantierenden erneuerbaren Energien ist bis 2050 vollständig machbar. Schon 2015 könnte das letzte AKW vom Netz gehen, 2040 das letzte Kohlekraftwerk. Bis 2050 könnten dann Windkraftanlagen, Biogas und Solarzellen 100 Prozent der Stromversorgung abdecken. Deutschland könnte seine Emissionen von Treibhausgasen um 90 Prozent vermindern.

Wie das gehen soll? Das von den Umweltschützern vorgestellte Konzept steht auf zwei Säulen: Unnötigen Energieverbrauch beschränken, indem Geräte, Gebäude und Kraftstoffeinsatz effizienter gestaltet werden, und Nutzung von Wind & Co rasch ausbauen. Was letztere angeht, so hatten die Verbände der auf diesem Sektor tätigen Industrien bereits im Januar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Studie vorgerechnet, daß schon bis 2020 der Anteil von Wind, Sonne, Wasser und Biogas an der Stromversorgung auf knapp 50 Prozent steigen könnte. Derzeit liegt er bei etwa 15 Prozent.

Auch die Aachener Wissenschaftler gehen davon aus, daß Wind und Sonne nicht ohne weiteres die Energienachfrage decken können, weil sie weder stetig noch steuerbar sind. Es müssen also Speichermedien und Kraftwerke her, die im Bedarfsfall einspringen können. Dafür kommen aber nicht, wie von den Energiekonzernen und vielen Politikern gerne behauptet, Kohle- oder gar Atomkraftwerke in Frage, denn die sind viel zu schwerfällig, brauchen oft Stunden, wenn nicht gar Tage, um hoch- und runtergefahren zu werden. Viel besser sind moderne Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD), die mit einem wesentlich höheren Wirkungsgrad arbeiten.

Die Studie schlägt daher vor, den Bau von Kohlekraftwerken einzustellen und nur noch solche GuD-Werke und Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen zuzulassen, die mindestens 80 Prozent des Kraftstoffs ausnutzen. Zum Vergleich: Ein modernes Kohlegroßkraftwerk bringt es bestenfalls auf eine Ausnutzung von 45 Prozent. Sollte es in der Zukunft mit der umstrittenen Kohlendioxid-Abscheidung betrieben werden, wären es sogar nur 35 Prozent. GuD-Kraftwerke haben darüber hinaus noch weitere wichtige Vorteile. Zum einen könnten sie im Prinzip auch mit Gas aus biologischen Abfällen betrieben werden. Zum anderen müssen sie nicht wie Kohle- und Atomkraftwerke rund um die Uhr laufen, um ökonomisch zu arbeiten.

Neben dem Klimaschutz hat der Umbau der Energieversorgung auch ganz handfeste ökonomische Vorteile. Die Abhängigkeit von Energieimporten würde sich nach den Angaben von Greenpeace bis 2050 um 95 Prozent verringern. Privathaushalte und Wirtschaft könnten schon bis 2020 mit rund zehn Prozent niedrigeren Stromkosten rechnen.

Quelle: www.jungewelt.de

Verfasst am 03.09.2009 um 11:42 Uhr von michaelhausherr mit den Stichworten , , , , , , , , , , .
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